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  • Verein für individuelle Lernwege
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Vision

Wir wollen Kindern eine Schule bieten, in der sie ihr Potenzial entfalten, ihre Begeisterungsfähigkeit und Entdeckungsfreude ausleben und weiterentwickeln können. Eine Schule ohne Angst und Druck, in der wir bewusst auf Hausaufgaben und Prüfungen verzichten.

Pädagogisches Konzept

GRUNDLAGEN

Das Potenzial und die Interessen jedes einzelnen Kindes bilden die Basis fürs erfolgreiche, engagierte Lernen. Durch gezielte Beobachtungen und differenzierende Lernumgebungen erkennen und fördern wir individuelles Leistungsvermögen und schaffen die Rahmenbedingungen, damit jedes Kind seine Stärken weiter entwickeln und seine Persönlichkeit entfalten kann.

ALTERSDURCHMISCHTES LERNEN

Die Schülerinnen und Schüler lernen an der Schule Quadrius mit- und voneinander. Wir nutzen die Heterogenität als Chance und unterstützen die Kinder darin, ihr Wissen und ihre Stärken anderen Kindern zur Verfügung zu stellen und sich so gleichzeitig als Lehrende und Lernende zu erleben. Das verbindet das individuelle Lernen mit dem sozialem Lernen und gibt dem Kind die Möglichkeit, sein Gelerntes zu festigen und seine Hypothesen zu überprüfen.

GEFÜHRTE SEQUENZEN UND INDIVIDUELLES LERNEN

Wir stellen hohe Ansprüche an die Qualität und Nachhaltigkeit der Lernprozesse. Im Coaching-Gespräch bespricht, evaluiert und plant eine Lehrperson den individuellen Lernweg und die Lernstrategien mit jedem einzelnen Kind.

Die Lehrpersonen ermöglichen den Schülerinnen und Schülern verschiedene Lernzugänge. Das intrinsisch motivierte, selbstorganisierte Lernen ergänzen wir mit geführten Sequenzen zu den Interessengebieten der Kinder und den Lehrplanzielen. Freitags trifft sich die ganze Schule zum Wochenschluss, wo wir Schulversammlungen, Musik und andere gemeinschaftsbildende Elemente pflegen.

BASISSTUFE (ca. 4 – 8 jährige)

Die Basisstufe verbindet den Kindergarten und die ersten beiden Primarklassen. Nicht das Alter, sondern der Entwicklungsstand des Kindes ist dafür entscheidend, wann es beginnt, das abstrakte Lesen, Schreiben und Rechnen zu üben.

Die Kinder lernen in diesem Alter durch Zuschauen bei den älteren Kindern und den Lehrpersonen. Außerdem stehen das handelnde Lernen und ganzheitliche Begreifen im Vordergrund. Während des freien Spiels im Rahmen der selbständigen Arbeit entwickeln sich Interessen, die zum systematischen und konzentrierten Lernen überleiten. Basierend auf den gemachten Beobachtungen schaffen die Lehrpersonen Inputs (z.B. neues Material, eine Sequenz oder einen Ausflug), welche die Interessen der Kinder mit neuen Herausforderungen verknüpfen.

MITTELSTUFE (ca. 9 – 12 jährige)

Die Mittelstufe verbindet die 3. bis 6. Primarklasse. Die Lerninhalte werden den Kindern durch Kompetenzraster sichtbar gemacht.

In der Mittelstufe steht die selbstorganisierte Arbeit im Vordergrund. Die Kinder entscheiden weitgehend selber, an welchen Kompetenzen sie wann und wie lange arbeiten möchten. Ist ein Kind damit überfordert oder kann es sich nicht selbst organisieren, treffen die Lehrpersonen im Coaching-Gespräch mit dem Kind individuelle, verbindliche und später überprüfbare Lernvereinbarungen. Viele Kompetenzen eignen sich die Schülerinnen und Schüler durch die Arbeit während den frei gewählten Projekten an. Ein Projekt kann fächerspezifisch oder fächerübergreifend zu jedem möglichen Thema sein und kurz oder lange dauern.

UMGANG MITEINANDER

Wir begegnen den Kindern auf Augenhöhe und kommunizieren und leben nach den Prinzipien der Gewaltfreien Kommunikation.

Lernumgebung

Kinder wollen wissen, können und lernen. Sie benötigen dafür – neben unterstützenden Menschen – eine spannende, vielschichtige Umgebung mit unterschiedlichen Themen und vielen Möglichkeiten, sich Inhalte anzueignen. Unsere aktuell eingerichtete Lernumgebung basiert auf der folgenden Vision der Räume, wobei während dem laufenden Betrieb mehr und mehr die Interessen der Kinder die Lernumgebung verändern werden:

Der Forscherraum mit Mikroskop, Experimenten, Labor, Zaubertricks, Sachbüchern zu verschiedenen Themen, Internetzugang, Lernumgebungen zu diversen Geschichtsepochen, Menschen- und Tierskeletten, Pflanzenbestimmungsbüchern, Detektivmaterial, Schatzkarten, Weltatlas und Globus, Planetenmodell und Terrarium.

Die Ecke des Bauens mit Kapla, einer elektrischen Eisenbahn, zusammensetzbarer Murmelbahn, Lego und Robotikbausätzen, Mecano und Bauplänen.

Die Küche mit Essraum dient als Begegnungszone. Hier gibt es immer Tee und Wasser, Früchte, Gemüse, Nüsse, Crackers,… zum Znüni oder Zvieri. Ein Teil der Küche ist auf Kinderhöhe eingerichtet, damit die Kinder selbst Rezepte ausprobieren können.

Die Welt der Wörter mit anregendem Material zum Lesen- und Schreibenlernen, schönem Schreibpapier, Material in Braille-Schrift, Schönschreibheften, einer Post, Rätseln und Spielen zum Sprachverständnis, Hilfen und Übungen zu Grammatik und Rechtschreibung in deutscher, englischer und später französischer Sprache, Ideensammlungen für Gedichte und Geschichten, Computer zum Texte schreiben.

Die Zahlenwelt mit Material für das Spiel mit Mengen, Montessori-Rechenmaterial, diversen Übungsmöglichkeiten zu den Grundoperationen, Lernumgebungen zu Geld, Grössen und Brüchen, grosse Zahlen und deren Anwendung (Weltall, Zeitachse), geometrischen Körpern, Jasskarten, Schach und anderen Denk- und Strategiespielen und Computerspielen für abstraktes Denken.

Der Raum der Welten mit Puppen, Plastiktieren, Tüchern und Wäscheklammern, Playmobil, Feen und Rittern, Schneckenhäusern, Wandtafel, Lädeli, Kinderküche, Spital, Puppenhaus, Höhle, Zelt und ganz viel Kleinmaterial zur Dekoration der Welten.

Der Gumpiruum mit Rebounder, Jonglierbällen, Balancierkreisel, Sprossenwand, Hängehöhlen, Matten und Feinmotorikherausforderungen.

Das Kleintheater mit Kronleuchter, Vorhang, Bühnenpodesten, Schminkspiegel, Kostümen, Requisiten, Scheinwerfer, Mischpult, Mikrofonen, Musikinstrumenten und Kassehäuschen. Das Theater ist unsere Aula für Schulversammlungen, Elternanlässe und die Musikgrundschule.

Der Raum der Stille mit Büchern, Hörbüchern in verschiedenen Sprachen, bequemen Kissen/Sofas, einer Höhle, Geschichtenschreibheften, Puzzles und Ruhearbeitsplätzen (Pulte mit Wänden). Ein Raum für Rückzug und Pause, Siesta und stille Arbeit.

Das Atelier mit Malwand und Töpferton, diversem Bastelmaterial, Knöpfen, Wolle, Stricknadeln, Nähmaschine, Werkbank, Laubsägen, Nägel, Hammer, Holz, Knete, Leim und Scheren, Papier, Karton, Pailletten, Glitzerstiften und vielem mehr.

Der Garten ist wild, anregend und lädt zum Entdecken, Klettern und Spielen ein. Mit Hügeln und Nischen, Sand und Dreck, Holzbrettern und Röhren, Slackline, Wurm- und Schmetterlingsfarm, Hütten und Zelten, Flaschenzügen, Einrädern, Rollbrettern, Diabolo, Bällen, Wasserspielzeug, Schlauch, Gartenbeeten, Kompost und irgendwann vielleicht sogar Haustieren.

Häufige Fragen

Wir Menschen kommen als Individuen zu Welt. Wer mehrere Kinder hat, weiss, wie verschieden sie sein können, obwohl sie die gleichen Eltern und ähnliche Rahmenbedingungen haben. Kein Mensch hat die gleichen Veranlagungen, das gleiche Potenzial und die gleichen Interessen wie ein anderer Mensch. Da scheint es absurd, zu denken, dass alle Menschen auf die gleiche Art und im gleichen Tempo die gleichen Inhalte lernen sollen.
Wenn man in herkömmlichen Schulstrukturen denkt, klingt individuelles Lernen sehr anstrengend. Dann stellt man sich vor, dass sich eine Lehrperson 24 Programme ausdenken muss, um die Schülerinnen und Schüler möglichst individuell zu beschäftigen. An der Schule Quadrius gehen wir davon aus, dass jedes Kind sein „Programm“ bereits in sich selbst angelegt hat und es in Bezug auf seinen eigenen Lernweg kompetent zur Welt kommt. Es weiss, wann es reif ist für den nächsten Schritt, sei es beim Laufen lernen oder beim abstrakten Lesen. Wenn wir den Kindern dieses Vertrauen schenken und uns neugierig mit ihnen gemeinsam auf den Weg machen, lernen sie von sich aus das, wofür sie reif sind. Auf die Weise, die ihnen entspricht. Mit Unterstützung von wachen Erwachsenen, welche die Kinder ermutigen und dabei begleiten, den nächsten Schritt zu gehen. Bei uns ist auch die Begleitung individuell – je nach Lerntyp des Kindes, je nach Interessen und Potenzial sind es Lernumgebungen, Aufträge oder Projekte, die dem Kind helfen, sich weiter zu entwickeln.

Idealerweise wird Lernen im Gehirn mit Freude verknüpft. Freude und Begeisterung kommen dann, wenn wir ein Thema, einen Weg und den Zeitpunkt für ein Projekt oder eine Aufgabe selber wählen dürfen und an einer Aufgabe dran bleiben dürfen, bis wir damit fertig sind oder Pause brauchen. Kinder lernen niemals etwas, nur weil es für die Zukunft relevant ist – es braucht immer eine Relevanz für das aktuelle Leben des Kindes. Kinder lernen Neues schnell und einfach in der „sensiblen Phase“ (Begriff von Jean Piaget und Maria Montessori), also wenn sie reif dafür sind. Schliesslich brauchen Kinder liebevolle Vorbilder, die selber gern lernen und sich entwickeln wollen. Sie brauchen zu den Erwachsenen eine sichere Bindung ohne Angst und Druck. Und wohl das Wichtigste: Das Kind weiss, dass es ein guter Lerner bzw. eine gute Lernerin ist – es weiss, dass es fähig ist, sich anzueignen, was es braucht. Damit kommen wir zur Welt und es gilt, dies zu erhalten. Auch gibt es wohl nichts Effizienteres zum Lernen als das kindliche Spiel!

An der Schule Quadrius sieht wohl jeder Tag ein bisschen anders aus, da die Kinder einen grossen Teil gemäss ihren eigenen Interessen gestalten können. Trotzdem wollen wir hier versuchen, euch eine Idee von einem möglichen Schultag zu geben:
Die Kinder treffen zu unterschiedlichen Zeiten in der Schule ein. Eine Lehrperson begrüsst jedes Kind persönlich, bevor es sich an seine Arbeit macht (das kann bei uns alles sein – forschen, spielen, gestalten, turnen, rechnen, bauen,…). Zum gemeinsamen Tagesbeginn gibt es einen Morgentreff. Hier gibt es einerseits Raum für Rituale, Lieder und Geschichten und andererseits wird der Tagesablauf besprochen. Danach folgt eine vertiefte, ruhigere Arbeitsphase. Es finden von den Lehrpersonen (oder einer externen Fachperson) geführte Sequenzen statt; dies kann zum Beispiel die Einführung in ein neues Lernmaterial oder ein Input zu einem Thema (Mittelalter, Biologie, Mathematik,…) sein, oder z.B. gemeinsames Musizieren, Orientierungslauf, Nähmaschinenkurs, Englisch, Geschichtenwerkstatt. Weiter gibt es Lerngruppen zu bestimmten Themen wie den Matheclub oder den Naturforschenclub. Parallel dazu laufen eigene Projekte der Kinder und das Arbeiten in vorbereiteten Lernumgebungen. Nach dem Mittagessen und einem weiteren Arbeitsblock am Nachmittag verabschieden sich die Kinder individuell zu den vereinbarten Zeiten und gehen nach Hause – ohne Hausaufgaben im Schulthek! Das Spiel kann weitergehen…

Wir stützen uns auf die erprobten Konzepte von verschiedenen innovativen Schulen. Insbesondere benützen wir die Instrumente von der GrundacherSchule in Sarnen sowie vom infans-Konzept, welches vorwiegend in KiTas gelebt wird. Dazu würdigen wir die grossartige Vorarbeit der Pädagogen Johann Pestalozzi und Maria Montessori, indem wir eine Auswahl ihrer Lernmaterialien und ihr ganzheitliches Menschenbild in unseren Alltag integrieren.

Vielleicht nicht. Für ein Kind, das sich in vorgegebenen Strukturen sehr wohl fühlt und dem die Volksschule leicht fällt, stellt sich vermutlich die Frage nach einer Alternative nicht. Uns ist es sehr wichtig, dass nach einem Besuchstag und einem ausführlichen Gespräch sowohl die Eltern als auch die Kinder ein gutes Gefühl haben. Weil wir die Kinder individuell und wertfrei begleiten können, haben aber grundsätzlich alle Charaktere, Eigenheiten und Interessen bei uns Platz. Unsere Schule hat den Vorteil, dass sie Kinder mit Lernbehinderungen nicht überfordert und Hochbegabte nicht unterfordert. Wirklich wichtig aber ist die Haltung beider Elternteile: sie müssen dem Kind das Vertrauen schenken, dass es sich selbständig entfalten kann. Die Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, in der Schule Erwartungen der Eltern erfüllen zu müssen.

Wenn beim Lernen von anderen Druck erzeugt wird, rücken negative Szenarien, wie Scheitern und Versagen, in den Vordergrund. Die Gefahr besteht, dass unter Druck Gelerntes mit schlechten Emotionen verknüpft wird, was zur gänzlichen Abneigung von Lerninhalten führen kann. Die Kinder verlieren die Lust am Lernen. Im Gegenzug steigert sich die Angst, Fehler zu machen. Lernen ist nun plötzlich nichts mehr Cooles. Es ist mühsam, anstrengend, unnötig. Manche Kinder verlieren die Lust am Lernen ganz plötzlich, andere eher schleichend, über neun Schuljahre verteilt. Die wichtigste Aufgabe der Schule besteht darin, den Schülerinnen und Schüler die Lust am Lernen nicht zu nehmen, bzw. sie nicht am Lernen zu hindern!

Wir fordern die Kinder aber durchaus heraus und muten ihnen neue Lerninhalte zu. Sie dürfen diese anpacken, ohne Angst vor dem Scheitern haben zu müssen.

Ja. Kinder sind neugierig, kreativ und enthusiastisch. Für sie gibt es nichts Schöneres als zu lernen, da sie alles wissen und können möchten. Sie ahmen nach, sie lassen sich inspirieren. Wie ihre Lebenswelt immer grösser wird, wird ihr Wissen über diese Welt immer grösser. Kinder lernen, indem sie leben, ganz nebenbei. Weil sie automatisch damit in Kontakt kommen, wollen sie lesen, schreiben und rechnen. Auch Physik und Chemie wird sie irgendwann interessieren, Biologie natürlich, Politik sicher auch. Sie werden wissen wollen, was für Religionen es gibt und was sie voneinander unterscheidet. Wie das mit dem unendlichen Universum genau funktioniert. Und wie sich die englische Sprache verstehen lässt, in welcher die Lieblingsband ihre Lieder singt.

Lernen geschieht in Alltagssituationen. Kinder stossen auf neue Situationen und Themen, die sie erkunden möchten. Und auf Anforderungen, denen sie gerecht werden wollen. Sie lernen Dinge, die in konkreten Situationen unmittelbar nützlich für sie sind. Also benötigen sie eine reiche, vielfältige, lebensnahe, spannende Lern- und Spielumgebung. Und sie brauchen Menschen an ihrer Seite, die sie respektieren, die ihnen Freiraum gewähren, aber doch mit Rat und Tat beiseite stehen. Damit die Kinder sich auf ihre Art, in ihrem Tempo, mit ihren Präferenzen entwickeln dürfen.

Ja, das kann passieren. Gleiches geschieht auch an herkömmlichen Schulen. Wenn Kinder sich mit Themen beschäftigen, für die sie sich nicht interessieren, bedeutet das nicht, dass sie die entsprechenden Inhalte nachhaltig lernen. Viele Schüler und Schülerinnen lernen nur für die nächste Prüfung und vergessen die Inhalte anschliessend wieder.

Es gibt aber durchaus Lerninhalte, die sehr wichtig sind, und die Kinder auch an unserer Schule lernen müssen. Diese sind in den Kompetenzrastern sichtbar. Die Lehrpersonen entwickeln Angebote, welche die verschmähten Lerninhalte mit den Interessen der Kinder verknüpfen. Im Coaching-Gespräch können die Lehrpersonen mit einzelnen Kindern individuelle Lernvereinbarungen treffen und die Kinder bei ihren Prozessen begleiten.

Das können wir nicht garantieren – genau so wenig wie die Volksschule. Nicht jedes Kind bringt die Fähigkeiten (und das Interesse) mit, ein Gymnasium zu besuchen. Aber jedes Kind bringt eine grosse Palette an Fähigkeiten mit ins Leben – und wir können garantieren, diese zu würdigen und ihnen Raum zu geben. Die Erfahrung von ähnlichen Schulen zeigt, dass Kinder keinerlei Probleme haben bei der Berufswahl. Sie wissen, was sie können (und was nicht), kennen verschiedene Lernstrategien, sind noch immer neugierig und haben ein hohes Selbstvertrauen. Ist ein Kind von sich aus motiviert, eine Kanti zu besuchen oder eine bestimmte Lehre zu absolvieren, so ist das mit diesem Rucksack ohne Probleme möglich.

Lernbereiche ergeben sich oftmals aus der Notwendigkeit, bestimmtes Wissen oder bestimmte Fertigkeiten zu erlangen, um in alltäglichen Lebenssituationen und in der Interaktion mit anderen zurecht zu kommen. Jedes Kind erhält zu jedem Fachbereich seine persönlichen Kompetenzraster, wo alle Lehrplanziele des Kantons Aargau sichtbar sind. Die Lehrpersonen helfen dem Kind im Rahmen des individuellen Coaching-Gesprächs, die entsprechenden Lernmaterialien oder passenden Projekte zu finden.

Auf weitere Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man erlernen kann, stossen die Kinder aufgrund persönlicher Interessen, denen sie nachgehen und sich dabei tiefergehend mit Themen befassen. Die Schule hat einen reichen Fundus an spannendem Material zu diversen Lerninhalten – er wird ständig erweitert. An Schulversammlungen wird diskutiert, worüber die Schülerinnen und Schüler mehr wissen möchten, dann werden Fachpersonen eingeladen oder besucht. Jedes Thema öffnet viele neue Türen.

Der Austausch unter den Kindern und mit den Lehrpersonen sorgt weiter dafür, dass die Lerninhalte ihre verdiente Präsenz bekommen. Durch das altersdurchmischte Lernen werden Kinder zu Experten auf ihrem Interessensgebiet, sie können ihre Mitschülerinnen und Mitschüler inspirieren, ihr Wissen weitergeben (die Qualität der Lernprozesse wird dadurch enorm gesteiert) und Inputs und Ideen annehmen.

Es ist unmöglich, innerhalb einer Schule Experten für alle denkbaren Themenbereiche zu haben. Jedoch stehen den Schülerinnen und Schülern eine Vielzahl unterschiedlichster Informationsquellen zur Verfügung: Sachbücher, Lehrbücher, Spiele, das Internet, aber auch ausserschulische Lernorte wie Museen, Bibliotheken, Läden, Unternehmen oder die Natur. Die Lehrpersonen unterstützen die Kinder bei der Erschliessung dieser Ressourcen. Zu wissen, wie man sich die notwendigen Informationen holt und sich Fähigkeiten aneignet ist eine sehr wichtige Kompetenz!

In der Schweiz, in Europa und weltweit gibt es unzählige gute Beispiele für das Gelingen von Schulen, die nach dem Konzept des individuellen, eigenverantwortlichen Lernens arbeiten. In der Schweiz haben in den letzten 20 bis 30 Jahren beispielsweise die GrundacherSchule in Sarnen, die Schule Monterana in Degersheim oder die Villa Monte in Galgenen wunderbare Arbeit geleistet. Ob im In- oder Ausland, der Tenor ist immer derselbe. Aus ehemaligen Schülerinnen und Schülern von Schulen mit ähnlichem Konzept werden verantwortungs- und selbstbewusste Erwachsene, die – da sie ihre Bildung nie als die Verantwortung eines anderen, sondern als ihre eigene angesehen haben – auch nach der obligatorischen Schulzeit gerne neue Sachen lernen. Die Berufe, die sie nach ihrer Schulzeit erlernen und ausüben sind sehr unterschiedlich – es zeigen sich in der Verteilung kaum Unterschiede gegenüber der öffentlichen Schule.

Unsere Kinder brauchen eine Ausbildung für eine dynamische und komplexe Zukunft. In dieser werden eigenständiges Denken, Neugier, Kreativität, Teamgeist und das Vertrauen in die eigenen Stärken essentiell sein. Diese Kompetenzen geben wir unseren Abgängerinnen und Abgängern mit auf den Weg.

Nein. Steiner und Montessori haben vor gut 100 Jahren Pionierarbeit geleistet. Sie haben Schulen geschaffen, in welchen die Entwicklung des Kindes im Zentrum steht. Wir übernehmen die Elemente, welche auf Grund der aktuellen Forschung für die Lernentwicklung der Kinder förderlich sind. In Montessori-Schulen bestimmen die Kinder selbst, wann sie sich mit welchen Lerninhalten beschäftigen. Jedoch sind die zur Verfügung stehenden Materialien beschränkt und dürfen nur auf eine vorgegebene Art und Weise gebraucht werden. Unser Lerninventar besteht unter anderem auch aus Montessori-Material , da sich dieses ausgezeichnet zum individuellen, selbständigen Lernen eignet. Es ist aber nur ein kleiner Teil der vielfältigen Lernumgebung.
Von Rudolf Steiner übernehmen wir die ganzheitliche Betrachtung des Menschen und die Wichtigkeit von Ritualen im Alltag der Kinder. In Steiner-Schulen werden die Kinder jedoch in Jahrgangsklassen unterrichtet und nebst individualisierenden Elementen sollen die Kinder der gleichen Klasse grundsätzlich am gleichen Tag zur gleichen Zeit die gleichen Inhalte lernen. Hier unterscheiden wir uns klar von Steiner-Schulen: Wir mischen die Kinder und sie lernen in ihrem eigenen Tempo.

Langeweile ist kein Problem, das es zu bekämpfen gilt, sondern Ausdruck eines wichtigen Selbstfindungsprozesses. Beinahe jeder erlebt Phasen von Langeweile an der Schule. Mit Langeweile klarzukommen ist ausgesprochen wichtig. In diesem Prozess beginnen sich Kinder mit grossen Fragen zu beschäftigen: Was ist mir wichtig? Was möchte ich machen? Wer bin ich eigentlich? Warum kann ich nichts finden, das mich interessiert? Langeweile ist eine wichtige Einrichtung unseres Gehirns, um nach grosser geistiger Anstrengung den Zugang zur Kreativität wieder zu finden.

Für die Schülerinnen und Schüler bietet sich in solchen Momenten die Chance, viel über sich und ihr Leben herauszufinden. Unsere Lehrpersonen sind sich dessen bewusst und gehen in solchen Phasen vorsichtig mit ihren Inputs um.

Wir überlassen die Kinder nicht sich selbst. Im wöchentlich stattfindenden Coaching-Gespräch bekommen die Kinder individuelle Hilfe für ihren Lernweg. Die Lehrpersonen beraten die Kinder und können ihnen hinsichtlich möglicher Lerninhalte Anregungen geben.

Unsere Schule hat feste Regeln, die für alle verbindlich sind. Sie werden wenn möglich zusammen erarbeitet und deshalb auch gerne eingehalten. Wir nehmen aber insofern eine antiautoritäre Haltung ein, als dass wir den Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe begegnen.

Habt ihr mehr Fragen? Zögert nicht, euch zu melden. Wir geben gerne Auskunft und freuen uns über Inputs, Kritik und Anregungen.

“Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.”

Afrikanisches Sprichwort