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  • Verein für individuelle Lernwege
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Häufig gestellte Fragen

Wir Menschen kommen als Individuen zu Welt. Wer mehrere Kinder hat, weiss, wie verschieden sie sein können, obwohl sie die gleichen Eltern und ähnliche Rahmenbedingungen haben. Kein Mensch hat die gleichen Veranlagungen, das gleiche Potenzial und die gleichen Interessen wie ein anderer Mensch. Da scheint es absurd, zu denken, dass alle Menschen auf die gleiche Art und im gleichen Tempo die gleichen Inhalte lernen sollen.
Wenn man in herkömmlichen Schulstrukturen denkt, klingt individuelles Lernen sehr anstrengend. Dann stellt man sich vor, dass sich eine Lehrperson 24 Programme ausdenken muss, um die Schülerinnen und Schüler möglichst individuell zu beschäftigen. An der Schule Quadrius gehen wir davon aus, dass jedes Kind sein „Programm“ bereits in sich selbst angelegt hat und es in Bezug auf seinen eigenen Lernweg kompetent zur Welt kommt. Es weiss, wann es reif ist für den nächsten Schritt, sei es beim Laufen lernen oder beim abstrakten Lesen. Wenn wir den Kindern dieses Vertrauen schenken und uns neugierig mit ihnen gemeinsam auf den Weg machen, lernen sie von sich aus das, wofür sie reif sind. Auf die Weise, die ihnen entspricht. Mit Unterstützung von wachen Erwachsenen, welche die Kinder ermutigen und dabei begleiten, den nächsten Schritt zu gehen. Bei uns ist auch die Begleitung individuell – je nach Lerntyp des Kindes, je nach Interessen und Potenzial sind es Lernumgebungen, Aufträge oder Projekte, die dem Kind helfen, sich weiter zu entwickeln.

Gemäss der aktuellen Lern- und Hirnforschung braucht es für erfolgreiches, nachhaltiges Lernen mehrere Rahmenbedingungen: Idealerweise wird Lernen im Gehirn mit Freude verknüpft. Freude und Begeisterung kommen dann, wenn wir ein Thema, einen Weg und den Zeitpunkt für ein Projekt oder eine Aufgabe selber wählen dürfen und an einer Aufgabe dran bleiben dürfen, bis wir damit fertig sind oder Pause brauchen. Kinder lernen niemals etwas, nur weil es für die Zukunft relevant ist – es braucht immer eine Relevanz für das aktuelle Leben des Kindes. Kinder lernen Neues schnell und einfach in der „sensiblen Phase“ (Begriff von Jean Piaget und Maria Montessori), also wenn sie reif dafür sind. Schliesslich brauchen Kinder liebevolle Vorbilder, die selber gern lernen und sich entwickeln wollen. Sie brauchen zu den Erwachsenen eine sichere Bindung ohne Angst und Druck. Und wohl das Wichtigste: Das Kind weiss, dass es ein guter Lerner bzw. eine gute Lernerin ist – es weiss, dass es fähig ist, sich anzueignen, was es braucht. Damit kommen wir zur Welt und es gilt, dies zu erhalten.
Es gibt wohl nichts Effizienteres zum Lernen als das kindliche Spiel!

An der Schule Quadrius sieht wohl jeder Tag ein bisschen anders aus, da die Kinder einen grossen Teil gemäss ihren eigenen Interessen gestalten können. Trotzdem wollen wir hier versuchen, euch eine Idee von einem möglichen Schultag zu geben:
Die Kinder treffen zu unterschiedlichen Zeiten in der Schule ein. Eine Lehrperson begrüsst jedes Kind persönlich, bevor es sich an seine Arbeit macht (das kann bei uns alles sein – forschen, spielen, gestalten, turnen, rechnen, bauen,…). In der Basisstufe gibt es einen Morgenkreis, wenn alle Kinder da sind. Hier gibt es Raum für Rituale, Lieder und Geschichten. Für die Mittelstufe gibt es regelmässig (in der Basisstufe unregelmässig) eine von den Lehrpersonen (oder einer externen Fachperson) gestaltete Lernsequenz. Dies kann zum Beispiel die Einführung in ein neues Lernmaterial oder ein Input zu einem Thema (Mittelalter, Biologie, Mathematik,…) sein. Bis zum Mittagessen gibt es wechselnde und regelmässige Angebote für alle Kinder, z.B. gemeinsames Musizieren, Orientierungslauf, Nähmaschinenkurs, Englisch, Geschichtenwerkstatt,… Parallel dazu laufen die eigenen Projekte der Kinder und das Arbeiten in den vorbereiteten Lernumgebungen weiter. Nach dem Mittagessen und einem weiteren Arbeitsblock am Nachmittag verabschieden sich die Kinder individuell zu den vereinbarten Zeiten und gehen nach Hause – ohne Hausaufgaben im Schulthek! Das Spiel kann weitergehen…

Wir stützen uns einerseits auf die aktuellen Forschungsergebnisse aus den Bereichen der Pädagogik, Entwicklungspsychologie und Neurowissenschaften, anderseits auf die erprobten Konzepte von verschiedenen innovativen Schulen dieser Welt. Insbesondere benützen wir die Instrumente von der GrundacherSchule in Sarnen sowie vom infans-Konzept, welches vorwiegend in KiTas gelebt wird. Dazu würdigen wir die grossartige Vorarbeit der Pädagogen Rudolf Steiner, Pestalozzi und Maria Montessori, indem wir eine Auswahl ihrer Lernmaterialien und ihr ganzheitliches Menschenbild in unseren Alltag integrieren.

Vielleicht nicht. Für ein Kind, dass sich in vorgegebenen Strukturen sehr wohl fühlt und dem die Volksschule leicht fällt, stellt sich vermutlich die Frage nach einer Alternative nicht. Uns ist es sehr wichtig, dass nach einem Besuchstag und einem ausführlichen Gespräch sowohl die Eltern als auch die Kinder ein gutes Gefühl haben. Weil wir die Kinder individuell und wertfrei begleiten können, haben aber grundsätzlich alle Charakteren, Eigenheiten und Interessen bei uns Platz. Unsere Schule hat den Vorteil, dass sie Kinder mit Lernbehinderungen nicht überfordert und Hochbegabte nicht unterfordert. Wirklich wichtig aber ist die Haltung beider Elternteile: sie müssen dem Kind das Vertrauen schenken, dass es sich selbständig entfalten kann. Die Kinder dürfen nicht das Gefühl haben, in der Schule Erwartungen der Eltern erfüllen zu müssen.

Wenn beim Lernen von anderen Druck erzeugt wird, rücken negative Szenarien, wie Scheitern und Versagen, in den Vordergrund. Die Gefahr besteht, dass unter Druck Gelerntes mit schlechten Emotionen verknüpft wird, was zur gänzlichen Abneigung von Lerninhalten führen kann. Die Kinder verlieren die Lust am Lernen. Im Gegenzug steigert sich die Angst, Fehler zu machen. Lernen ist nun plötzlich nichts mehr Cooles. Es ist mühsam, anstrengend, unnötig. Manche Kinder verlieren die Lust am Lernen ganz plötzlich, andere eher schleichend, über neun Schuljahre verteilt. Die wichtigste Aufgabe der Schule besteht darin, den Schülerinnen und Schüler die Lust am Lernen nicht zu nehmen, bzw. sie nicht am Lernen zu hindern!

Wir werden die Kinder aber durchaus herausfordern und ihnen neue Lerninhalte zumuten. Sie dürfen diese anpacken, ohne Angst vor dem Scheitern haben zu müssen.

Ja. Kinder sind neugierig, kreativ und enthusiastisch. Für sie gibt es nichts Schöneres als zu lernen, da sie alles wissen und können möchten. Sie ahmen nach, sie lassen sich inspirieren. Wie ihre Lebenswelt immer grösser wird, wird ihr Wissen über diese Welt immer grösser. Kinder lernen, indem sie leben, ganz nebenbei. Wie sie krabbeln und gehen und sprechen lernen, lernen sie auch lesen und schreiben und rechnen. Auch Physik und Chemie wird sie irgendwann interessieren, Biologie natürlich, Politik sicher auch. Sie werden wissen wollen, was für Religionen es gibt und was sie voneinander unterscheidet. Wie das mit dem unendlichen Universum genau funktioniert. Und wie sich die englische Sprache verstehen lässt, in welcher die Lieblingsband ihre Lieder singt.

Lernen geschieht in Alltagssituationen. Kinder stossen auf neue Situationen und Themen, die sie erkunden möchten. Und auf Anforderungen, denen sie gerecht werden wollen. Sie lernen Dinge, die in konkreten Situationen unmittelbar nützlich für sie sind. Also benötigen sie eine reiche, vielfältige, lebensnahe, spannende Lern- und Spielumgebung. Und sie brauchen Menschen an ihrer Seite, die sie respektieren, die ihnen Freiraum gewähren, aber doch mit Rat und Tat beiseite stehen. Damit die Kinder sich auf ihre Art, in ihrem Tempo, mit ihren Präferenzen entwickeln dürfen.

Ja, das kann passieren. Gleiches geschieht aber auch an herkömmlichen Schulen. Wenn Schüler sich mit Themen beschäftigen, für die sie sich nicht interessieren, bedeutet das nicht, dass sie die entsprechenden Inhalte nachhaltig lernen. Viele Schüler lernen nur für die nächste Prüfung und vergessen die Inhalte anschliessend wieder.

Es gibt aber durchaus Lerninhalte, die sehr wichtig sind und die Kinder auch an unserer Schule lernen müssen. Diese sind in den Kompetenzrastern sichtbar. Die Lehrpersonen entwickeln Angebote, welche die verschmähten Lerninhalte mit Interessen der Kinder verknüpfen. Im Coaching-Gespräch können die Lehrpersonen mit einzelnen Kindern individuelle Lernvereinbarungen treffen und die Kinder bei ihren Prozessen begleiten.

Das können wir nicht garantieren – genau so wenig wie die Volksschule. Nicht jedes Kind bringt die Fähigkeiten (und das Interesse) mit, eine höhere Schule zu besuchen. Aber jedes Kind bringt eine grosse Palette an Fähigkeiten mit ins Leben – und wir können garantieren, diese zu würdigen und ihnen Raum zu geben. Die Erfahrung von ähnlichen Schulen zeigt, dass Kinder keinerlei Probleme haben bei der Berufswahl. Sie wissen, was sie können (und was nicht), kennen verschiedene Lernstrategien, sind noch immer neugierig und haben ein hohes Selbstvertrauen. Ist ein Kind von sich aus motiviert, eine Kanti zu besuchen oder eine bestimmte Lehre zu absolvieren, so ist das mit diesem Rucksack ohne Probleme möglich.

Lernbereiche ergeben sich oftmals aus der Notwendigkeit, bestimmtes Wissen oder bestimmte Fertigkeiten zu erlangen, um in alltäglichen Lebenssituationen und in der Interaktion mit anderen zurecht zu kommen. Jedes Kind erhält zu jedem Fachbereich seine persönlichen Kompetenzraster, wo alle Lehrplanziele des Kantons Aargau sichtbar sind. Die Lehrpersonen helfen dem Kind im Rahmen des individuellen Coaching-Gesprächs, die entsprechenden Lernmaterialien oder passenden Projekte zu finden.

Auf weitere Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die man erlernen kann, stossen die Kinder aufgrund persönlicher Interessen, denen sie nachgehen und sich dabei tiefergehend mit Themen befassen. Die Schule hat einen reichen Fundus an spannendem Material zu diversen Lerninhalten – er wird ständig erweitert. An Schulversammlungen wird diskutiert, worüber die Schülerinnen und Schüler mehr wissen möchten, dann werden Fachpersonen eingeladen oder besucht. Jedes Thema öffnet viele neue Türen.

Der Austausch unter den Kindern und mit den Lehrpersonen sorgt weiter dafür, dass die Lerninhalte ihre verdiente Präsenz bekommen. Durch das altersdurchmischte Lernen werden Kinder zu Experten auf ihrem Interessensgebiet, sie können ihre Mitschülerinnen und Mitschüler inspirieren, ihr Wissen weitergeben (die Qualität der Lernprozesse wird dadurch enorm gesteiert) und Inputs und Ideen annehmen.

Es ist unmöglich, innerhalb einer Schule Experten für alle denkbaren Themenbereiche zu haben. Jedoch stehen den Schülern eine Vielzahl unterschiedlichster Informationsquellen zur Verfügung: Sachbücher, Lehrbücher, Spiele, das Internet, aber auch außerschulische Lernorte wie Museen, Bibliotheken, Läden, Unternehmen oder die Natur. Die Lehrpersonen unterstützen die Kinder bei der Erschließung dieser Ressourcen. Zu wissen, wie man sich die notwendigen Informationen holt und sich Fähigkeiten aneignet ist eine sehr wichtige Kompetenz!

In der Schweiz, in Europa und weltweit gibt es unzählige gute Beispiele für das Gelingen von Schulen, die nach dem Konzept des individuellen, eigenverantwortlichen Lernens arbeiten. In der Schweiz haben in den letzten 20 bis 30 Jahren beispielsweise die GrundacherSchule in Sarnen, die Schule Monterana in Degersheim oder die Villa Monte in Galgenen wunderbare Arbeit geleistet. Ob im In – oder Ausland, der Tenor ist immer derselbe. Aus ehemaligen Schülern von Schulen mit ähnlichem Konzept werden verantwortungs- und selbstbewusste Erwachsene, die – da sie ihre Bildung nie als die Verantwortung eines anderen, sondern als ihre eigene angesehen haben – auch nach der obligatorischen Schulzeit gerne neue Sachen lernen. Die Berufe, die sie nach ihrer Schulzeit erlernen und ausüben sind sehr unterschiedlich – es zeigen sich in der Verteilung kaum Unterschiede gegenüber der öffentlichen Schule.

Unsere Kinder brauchen eine Ausbildung für eine dynamische und komplexe Zukunft. In dieser werden eigenständiges Denken, Neugier, Kreativität, Teamgeist und das Vertrauen in die eigenen Stärken essentiell sein. Diese Kompetenzen geben wir unseren Abgängerinnen und Abgänger mit auf den Weg.

Nicht direkt. Steiner und Montessori haben vor gut 100 Jahren grossartige Pionierarbeit geleistet. Sie haben Schulen geschaffen, in welchen die Entwicklung des Kindes im Zentrum steht. Wir übernehmen von den grossen Pädagogen die Elemente, welche auf Grund der aktuellen Forschung für die Lernentwicklung der Kinder förderlich sind. In Montessori-Schulen bestimmen die Kinder selbst, wann sie sich mit welchen Lerninhalten beschäftigen. Jedoch sind die zur Verfügung stehenden Materialien beschränkt und dürfen nur auf eine vorgegebene Art und Weise gebraucht werden. Unser Lerninventar wird unter anderem auch aus Montessori-Material bestehen, da sich dieses ausgezeichnet zum individuellen, selbständigen Lernen eignet. Es wird aber nur ein Teil der vielfältigen Lernumgebung sein.
Von Rudolf Steiner übernehmen wir die ganzheitliche Betrachtung des Menschen und die Wichtigkeit von Ritualen im Alltag der Kinder. In Steiner-Schulen werden die Kinder in Jahrgangsklassen unterrichtet und nebst individualisierenden Elementen sollen die Kinder der gleichen Klasse grundsätzlich am gleichen Tag zur gleichen Zeit die gleichen Inhalte lernen. Hier unterscheiden wir uns klar von Steiner-Schulen: Wir mischen die Kinder und sie lernen in ihrem eigenen Tempo.

Langeweile ist kein Problem, das es zu bekämpfen gilt, sondern Ausdruck eines wichtigen Selbstfindungsprozesses. Beinahe jeder erlebt Phasen von Langeweile an der Schule. Mit Langeweile klarzukommen ist ausgesprochen wichtig. In diesem Prozess beginnen sich Kinder mit grossen Fragen zu beschäftigen: Was ist mir wichtig? Was möchte ich machen? Wer bin ich eigentlich? Warum kann ich nichts finden, das mich interessiert? Langeweile ist eine wichtige Einrichtung unseres Gehirns, um nach grosser geistiger Anstrengung den Zugang zur Kreativität wieder zu finden.

Für die Schülerinnen und Schüler bietet sich in solchen Momenten die Chance, viel über sich und ihr Leben herauszufinden. Unsere Lehrpersonen sind sich dessen bewusst und gehen in solchen Phasen vorsichtig mit ihren Inputs um.

Der Frage liegt die Annahme zugrunde, dass Erwachsene einschätzen können, welche Lerninhalte zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Schülerinnen und Schüler wissenswert sind. Wissenswert sind Lerninhalte, wenn sie an die Interessen und an die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen anknüpfen. Ob dies zutrifft, können nur die Schüler selbst beurteilen und entscheiden.

Kinder sind nicht sich selbst überlassen. Erwachsene können ihnen hinsichtlich möglicher Lerninhalte Anregungen geben und diese beraten. Im wöchentlich stattfindenden Coaching-Gespräch bekommen die Kinder individuelle Hilfe für ihren Lernweg.

Die Basis für Lernprozesse ist die natürliche Fähigkeit, Anregungen selbstbestimmt anzunehmen, um sie zu modifizieren oder zu verwerfen. Bei der Selbstbestimmung von Lerninhalten kann also nicht von einer Überforderung die Rede sein, sondern vielmehr von einer natürlichen Voraussetzung für das Lernen.

Unsere Schule hat feste Regeln, die für alle verbindlich sind. Sie werden wenn möglich zusammen erarbeitet und deshalb auch gerne eingehalten. Wir nehmen aber insofern eine antiautoritäre Haltung ein, als dass wir den Schülerinnen und Schüler auf Augenhöhe begegnen.